Fast vergessene Geschichten

Für Freunde standen im Hause Röllinger immer alle Türen offen. So hielt man, auch nach dem Umzug nach Porz, die Gastfreundschaft hoch. Und geschah was geschehen mußte: Hans - der Sohn brachte eines schönen Tages seinen neuen Freund Moses mit nach Hause.

Sehr bald schon fiel Moses das erste Mal auf! Sobald sich die Familie zum Essen zusammen setzte, glänzte er mit TIP-TOP Tischmanieren. Und bald schon hatte Moses eine zweite Familie gefunden.

Die Kameradschaft zwischen Hans und Moses wurde enger. Gemeinsame Interessen wie die Eisenbahn Bastelei auf elterlichem Speicher und jugendliche Entdeckerfreude verband die beiden miteinander. Sie verbrachten immer mehr Zeit gemeinsam. Nicht nur bei Tage, denn bisweilen durften sie auch die Nächte miteinander verbringen.

Die ahnungslosen Eltern gingen davon aus, daß sich wohl die Stunde des Einschlafens durch endlose Gespräche verschieben würde. Und darüber konnte man guten Gewissens hinweg sehen. Nun begann aber ganz in der Nähe der Bau einer Kläranlage. Dazu wurden - zum stabilisieren - auch Spundwände in das Rheinufer geschlagen. Eins Nachts nun, als der Mond sein silbernes Licht über die Rheinufer ergoß, beschlossen Hans und Moses eine Nachtwanderung über eben diese Spundwände zu unternehmen. Gedacht, gesagt und auch getan. Aber das Schicksal war ihnen hold und sie kehrten unbeschadet und trocken wieder zurück.

Das Schicksal war ihnen noch öfter hold. So auch am Bingerloch. Hans und Moses hatten eine ruhige Entdeckungsfahrt mit dem Paddelboot geplant. Nun spielt einem das Leben oft einen Streich am Bingerloch waren es Strömungen und Strudel. Das Wasser muß den beiden sehr zugesetzt haben, denn nur unter Aufbietung der letzten Kraftreserven konnten sie das rettende Ufer erreichen. Hans hatte jedenfalls etwas daraus gelernt und hatte vom Wassersport die Nase gestrichen voll. Aber Moses wie sein biblischer Namensvetter den Gewalten der Fluten glücklich entkommen, hatte das Element Wasser in seinen Bann gezogen.

Ins Wasser gezogen wurde er auch von einer Wette mit Robert Jurenka. Um diese Wette zu gewinnen denn Moses verliert nicht gerne sprang er mit seinem neuen Konfirmationsanzug in den Rhein. Es geht immer noch das Gerücht um, daß der Wettgewinn die Reinigungskosten des Anzugs nicht ganz abdecken konnte.

Aber Hans und Moses hatten nicht nur Unsinn im Kopf. Auch nützliche Erfindungen entsprangen ihren Gehirnwendungen. So entstanden eines bitterkalten und eisigen Winters die Spikes fürs Fahrrad. Ein Fahrad-Rad-Mantel wurde von innen mit Unmengen von Nägel durchbohrt. Dieser Stachel-Igel-Mantel wurde nun über den normalen Mantel gezogen. Mit welchen Tricks sie das geschafft haben, ist noch heute ein Geheimnis der beiden. Aber gerutscht sind sie nicht mit ihren Rädern.


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© Karin Lechner, Barbara Jungbluth (E. Röllinger) am 08. Juli 2000