Schiffe sind ihr Schicksal

Wie sich Karin und Moses kennen und lieben lernten

Von unserem maritimen Korrespondenten Uwe Taubert

Eigentlich würde es perfekt passen, wenn der Bräutigam seinen Spitznamen "Moses" deshalb erhalten hätte, weil er - wie sein etwas älterer Namensvetter in der Bibel - als Kleinkind in einem Weidenkörbchen auf einem Wasserlauf schwimmend gefunden wurde. Es war wohl so ähnlich. Ganz gewiss hat er sich seit frühester Kindheit so viel wie nur möglich an, in und vor allem auf dem Wasser aufgehalten: Schiffe sind sein Schicksal!

Wahrscheinlich ist er schon als zarter Jüngling auf der Lahn umhergepaddelt oder in derselben geschwommen. Als er dann nach Porz zog, zog es ihn mit dem Paddelboot auf den deutschen Schicksalsstrom. Da der Rhein aber immer abwärts fliesst, und das ziemlich schnell, wechselte er bald aufs Segelboot über, denn da kann man zumindest gelegentlich den Wind nutzen, um ohne Muskelkater an seinen Ausgangspunkt zurückzukehren. Immer schöner, grösser, schneller war die Devise.

Nach Regattaerfahrungen mit Pirat und Kielzugvogel folgten - während des Studiums in Kiel - erst ein Vierteltonner, dann ein Halbtonner. 1992 sah den Sprung zur ihm angemessenen Klasse der Vollschiffe. Auf der "Mir", dem bekannten russischen Dreimaster - 109 Meter lang, 2283 BRT, Segelfläche 2770 qm - segelt und gewinnt er das Matchrace über 10.000 Seemeilen über den Atlantik. Nach einer unvergessliche Reise nach Island auf dem Schwesterschiff "Khersones" 1994 segelt er schliesslich einmal im Jahr auf dem ukrainischen Vollschiff. Nach gewissen Auseinandersetzungen an Land findet er auf der "Khersones" für lange Zeit eine neue Heimat. Als Schiffsarzt und Verbindungsoffizier nimmt Moses im Winter 1997 an der Reise Rund Kap Horn teil. Und seitdem ist er immer wieder auf der "Khersones" zu finden...

Genau wie unsere Braut, denn auch Karin hat es mit dem Meer und mit Schiffen. Schon "bei Mercedes" hat sie ihren Segelschein gemacht. Mit verschiedenen Crews war sie oft auf dem Mittelmeer und auf der Ostsee unterwegs. Bis es sie eines Tages ebenfalls auf die "Khersones" zieht - im Sommer 1997.

Karin heuert als "Trainee" auf dem Vollschiff an, für zwei Wochen, während eines Törns von Warnemünde nach Karlskrona und zurück. Moses ist wieder einmal an Bord, als Verbindungsoffizier zwischen Schiffsführung und den zahlenden Gästen. Es wird eine schöne Reise bei bestem Wetter. Aber: Eine Verbindung zwischen Karin und dem Verbindungsoffizier kommt bei dieser Gelegenheit noch nicht zustande...

Noch hat es nicht gefunkt

Dafür zu sorgen hat die Vorsehung oder das Schicksal nämlich mich auserwählt. Und das kam so: Ich war zu dieser Reise eingeladen worden, weil ich während der "boot" im Januar 1997 als Journalist ausführlich über die Kap-Horn-Umrundung der Khersones berichtet hatte. Immer um 17 Uhr sprachen wir vom Communication-Center der Düsseldorfer Bootsmesse per Satelliten-Telefon mit der "Khersones" und zeigten parallel dazu einen Film über das Schiff auf einer Videowand. Kapitän Uwe Koch lieferte eindrucksvolle Berichte über die Situation an Bord, so interessant, dass vier Radiosender die Gelegenheit nutzten, um in Direktschaltungen über die Kap-Horn-Umsegelung zu berichten.

Ein kulinarischer Segeltörn

Wie gesagt, die Reise nach Karlskrona war toll. Ich mag auch gerne Borscht und überhaupt Kohl in jeder Form, aber nach etlichen Tagen mit wenn auch sehr einfallsreichen Variationen dieses Gemüses träumte ich eines Nachts von meinen kulinarischen Erlebnissen mit meinem Männer-Kochclub in Brühl. Als ich dann in Karlskrona die "Mare Frisium" sah, einen schmucken Dreimast-Rahschoner aus Holland mit fabelhaft ausgerüsteter Kombüse, kam wie von selbst die Idee: Wir machen einen kulinarischen Segeltörn auf der "Mare Frisium"....

Moses und Karin und zwei weiteren Trainees an Bord der "Khersones" gefielen meine an Bord entworfenen Speisekarten so gut, dass sie spontan ihre Teilnahme für den nächsten Sommer zusagten. Und nun geht's endlich los mit der "Geschichte von Karin und Moses"....

Übrig blieben Karin und Moses

Als wir uns im August 1998 an Deck der "Mare Frisium" trafen, hatte ich ein Problem, als es an die Kojeneinteilung ging: Fast alle Teilnehmer des kulinarischen Segeltörns waren Ehepaare, von ein paar Männercliquen abgesehen. Übrig blieben Karin und Moses. Nun weiss ja jeder, dass Ärzte in jeder Beziehung zuverlässig und anständig sind, und so ergab sich die Lösung in meinen Augen von selbst. Unter Hinweis auf die absolute Vertrauenswürdigkeit von Ärzten fragte ich also Karin geradeheraus , ob sie etwas dagegen haben würde, ihre Kabine mit Moses zu teilen. Schliesslich sei er ja kein Unbekannter. Wenn sie etwas dagegen gehabt haben sollte, hat sie es versäumt, dies klar auszudrücken. Moses hatte auch nichts dagegen.

Inzwischen habe ich es so eingerichtet, dass sich Karin und Moses auch im folgenden Jahr auf der "Mare Frisium" weiter kennen und lieben lernen konnten, im letzten November zusätzlich noch auf einer Segelyacht in der Karibik. Und da im Umweltschutz und in der Liebe das Verursacherprinzip gilt, bin ich jetzt ihr Trauzeuge - auf der "Khersones", wo alles begann....


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© Karin Lechner, Barbara Jungbluth (Taubert) am 14. Juli 2000